Verbraucherschutz


VSV/Kolba:
Vorsicht bei "Reise-Gutschein-Lösungen"
Gutscheine nicht gegen Insolvenz gesichert
und Buchung während Pandemie schließt Rücktritt aus

Wien (ots|wro) - Die TUI kündigt - wie andere Reiseveranstalter auch - auf seiner Web-Site an, statt frustrierte Reisepreise zurückzuzahlen Gutscheine ausgeben zu wollen. Mit einem Bonus von 150 Euro je Buchung. Wer bis Juni 2020 eine neue Pauschalreise buche, bekomme noch einen Bonus von 100 Euro pro Person.

"Es ist nicht meine Aufgabe als Verbraucherschützer davon abzuraten, Reisebüros zu unterstützen, damit sie überleben können, aber die Kunden müssen sich im Lichte der wahren Verhältnisse frei entscheiden können", sagt Peter Kolba. "Ich halte die Informationen der TUI für irreführend und gesetzwidrig und ersuche den VKI - denn der hat im Gegensatz zum VSV die Legitimation zu Verbandsklagen - dagegen mit Unterlassungsklage vorzugehen."

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"Kaum hat die TUI Staatshilfe bekommen, werden Marketing-Ge-
schenke gemacht. Allerdings werden die Nachteile dieser Lösung tunlich verschwiegen," sagt Peter Kolba, Obmann des Verbraucher-
schutzvereines (VSV).

Was muss man bei diesem Angebot der TUI beachten:

1) Die Gutscheine sind nicht gegen eine Insolvenz des Veranstalters abgesichert. Würde über die TUI die Insolvenz eröffnet, wären die Gutscheine praktisch wertlos.

2) Wer nun rasch (bis Juni) bucht, muss wissen, dass man - sollten die Corona-Virus-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Bekäm-
pfung andauern - NICHT mehr kostenlos vom Reisevertrag zurücktreten kann.

3) Österreicher, die bei TUI buchen, buchen idR bei TUI Deutschland. In Deutschland wurde die vom Staat gedeckelte Insolvenzabsicherung (110 Mio Euro), die bereits bei Thomas Cook nicht ausgereicht hat, bislang nicht gesetzlich saniert. Im Fall einer Insolvenz der TUI würde die Insolvenzabsiche-
rung uU wieder nicht ausreichen.
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VSV/Kolba:
4500 Teilnehmer*innen an Sammelaktion Corona-Virus-Tirol

Wien (ots|wro) - Heute werden die ersten 50 Opfer-Anschlüsse an Strafverfahren gemacht

"Wir werden prüfen, ob wir die Amtshaftungsklagen in Wien anhängig machen können. Da sollte - nach allem was wir bisher erleben - eine gerichtliche Beurteilung unabhängiger möglich sein, als im Land Tirol," vermutet Kolba.

Das Ski-Gebiet Ischgl wird in 76,8 % als Zieldestination angegeben. Die Masse der Betroffenen reiste am Wochenende 7.-8.3.2020 (rd 2000) an und vom 10.-14.3.2020 (rd 2700) wieder - zum Teil überstürzt - ab.

"Während man in Ischgl immer noch meint, alles richtig gemacht zu haben, liegen rund 40 Personen auf Intensivstationen und drei Perso-
nen sind bereits verstorben," zieht Kolba eine Zwischenbilanz. "Ich gehe von einem Schadenersatzanspruch von über 5 Millionen Euro aus."

Service: www.verbraucherschutzverein.at/Corona-Virus-Tirol

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Beim Verbraucherschutzverein (VSV) haben sich über 4500 Perso-
nen gemeldet, die in Tirol Anfang März Ski-Fahren waren und sich dabei mit dem Corona Virus angesteckt haben. Mit 3246 Meldungen und damit 71% aller stellen deutsche Ski-Fahrer das Groß der Be-
schwerden. Doch es gibt aus nahezu allen europäischen Staaten Meldungen.

"Der VSV bringt heute die ersten 50 Fälle als Privatbeteiligten-
anschlüsse an das Strafverfahren bei der StA Tirol ein," sagt Peter Kolba, Obmann des VSV. "Hunderte weitere werden folgen. Damit sollte die Staatsanwaltschaft genug Anhaltungspunkte für Ermittlungen haben."

Die Fälle werden nun vom VSV geprüft und wenn Geschädigte über Deckungen von Rechtsschutzversicherungen haben, dann werden erste Musterprozesse vorbereitet. Für Betroffene ohne Rechts-
schutzversicherung wird der VSV versuchen Prozessfinanzierer zu vermitteln.